Aufbruch in eine «neue Zeit»

Herbert «Hebi» Greub bereitete sich im Zürcher Reha-Zentrum Wald mit viel sportlicher Lektüre zur bevorstehenden Fussball-Europameisterschaft auf den Schritt «ins neue Leben» vor. (Bild: Walter Züst)

Herbert Greub, einstiger Trainer beim FC Ebnat-Kappel, hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Nach mehreren Operationen blicken er und seine Ehefrau wieder optimistisch in die Zukunft.

WALTER ZÜST

FUSSBALL. Am letzten Samstag war mit dem ersten Vorbereitungsspiel des Fanionteams in Henau der eigentliche Start ins Fussballjahr 2016 geplant. Das Spiel fand dann allerdings nicht statt. Jürg Stadelmann und sein Team müssen sich somit gedulden, bis es endlich losgeht.

Neubeginn für Herbert Greub

Ein «Neubeginn» erfolgte fast zeitgleich aber auch in Schmerikon am oberen Zürichsee – ein besonders erfreulicher und alles andere als alltäglicher. Zweieinhalb Jahre, nachdem Herbert «Hebi» Greub seine längere Tätigkeit beim FC Ebnat-Kappel beendet hatte, geht für den ehemaligen Trainer der ersten Mannschaft in diesen Tagen eine über zweijährige Leidensgeschichte zu Ende. Von einer ruhigeren Zeit hatte der langjährige Fussballtrainer damals geträumt, aus dem Traum wurde ein Albtraum. Drei Herzinfarkte in Folge warfen den heute 61-Jährigen am Heiligen Abend 2013 ohne irgendwelche Vorzeichen aus der Bahn – der Beginn einer schweren und überaus belastenden Zeit. Nach zuletzt intensiven Reha-Wochen im Zürcher Oberland konnte «Hebi» Greub am Wochenende endlich nach Hause. Überstanden und zum Teil auch verarbeitet sind all die Tiefschläge seit jenem Dezember vor etwas mehr als zwei Jahren.

Das geschenkte Leben

Der Faltigberg hoch über dem zürcherischen Wald zählt zu den schönsten Aussichtspunkten des Zürcher Oberlandes. Bekannt ist die Anhöhe vor allem durch die vor über 100 Jahren erbaute Höhenklinik. Heute bietet hier das Zürcher Reha-Zentrum auf 900 Metern über Meer Behandlungen in verschiedenen Fachbereichen an. Unter anderem pulmonale Rehabilitation und Akutversorgung für Lungenkranke, aber auch kardiovaskuläre Rehabilitation bei Herzkrankheiten. In letzterer Station erholte sich «Hebi» Greub in den letzten vier Wochen von der Herztransplantation und trainierte eifrig für das «neue Leben». Der Besuch in Wald war vorsorglicherweise abgesprochen, galt es doch im gedrängten Therapieprogramm eine Lücke zu finden. So wartete der Patient zum abgesprochenen Zeitpunkt bereits im Vorraum der Cafeteria, aus Sicherheitsgründen mit Mundschutz, aber aufgestellt und in seiner gewohnt angenehmen und ruhigen Art. Bei einem feinen Cappuccino verging die Zeit bis zum nächsten Therapietermin wie im Fluge. All das, was er in den 25 Monaten zuvor an Schicksalsschlägen durchzustehen hatte, kam an diesem sonnigen Tag im Zeitraffer nochmals hoch. Es begann an jenem 24. Dezember mit drei Herzinfarkten völlig unvorhersehbar – ein schwerer Schlag, von dem er sich nicht wirklich erholte. Im Herbst 2014 folgte der nächste Tiefschlag: Weil das Herz die erforderliche Leistung nicht mehr zu erbringen vermochte, sahen sich die Spezialisten des Unispitals Zürich gezwungen, als lebenserhaltende Massnahme ein Kunstherz einzusetzen. Ein happiger Eingriff. Aber von da an auch ein Leben an der Maschine und das lange und belastende Warten auf ein Spenderherz. Nach 13 Monaten traf das passende und rettende Herz ein und lenkte schliesslich alles in gute Bahnen. Die Herzspezialisten leisteten noch einmal Grossartiges, das Organ passte und der letzte Weg zurück in ein «normales Leben» zeichnete sich immer klarer ab.

Wieder zu Hause

Jetzt ist es so weit. Herbert Greub «fühlt sich gut» und freut sich auf das Zuhause und auf eine sorgenfreie Zeit mit seinen Liebsten. «Jeder will leben», das hatte er im Laufe der schwierigen Jahre einem Journalisten zu Protokoll gegeben. Und heute ist er einfach nur dankbar. «Ein geschenktes Leben, dessen bin ich mir bewusst. Ich bin glücklich, dass es so herausgekommen ist, und danke allen, die das ermöglicht haben und mir beigestanden sind.» Er denkt nicht nur an die Ärzte, Pflegefachkräfte und Therapeuten, sondern ganz besonders an seine liebe Ehefrau Ursula, die immer an seiner Seite stand und Unglaubliches geleistet hat. «Kraft gegeben haben mir immer aber auch die vielen Zeichen des Mittragens aus dem Umfeld des FC Ebnat-Kappel.» Möge der Frühling für die Greubs der schönste aller Zeiten werden und in eine glückliche und sorgenfreie Zukunft führen. Herbert Greub erwähnte beim Gespräch noch etwas. «Es freut mich, dass durch meine Geschichte ein grösserer Kreis auf das Thema Organspenden aufmerksam gemacht werden kann. Die Liste der Spenderwilligen ist zwar immer noch zu klein, aber doch mit neuen Namen aus meinem Bekanntenkreis wenigstens etwas grösser geworden.»